Wer in der Kunstwelt Fuß fassen will, braucht neben Talent vor allem eines: eine verdammt dicke Haut. Hinter jedem Erfolg auf einer Ausstellung steckt ein unsichtbarer Berg von Arbeit – und eine
Reihe von Absagen. Jede Bewerbung für einen Kunstwettbewerb ist ein eigener Kraftakt. Das Portfolio muss exakt matchen, die Konzepte müssen neu geschrieben werden, Stunden fließen in die
Vorbereitung. Und am Ende? Folgt oft die Standard-Mail: „Vielen Dank für Ihre
Einreichung, aber…“
Das Business mit der Hoffnung: Wenn digitale Ausstellungen zur Geldmaschine werden
Ein aktuelles Beispiel: Eine Ausschreibung einer Gallery in Köln.
Für mich passte das wie die Faust aufs Auge zu meiner Kunst. Die Absage kam trotzdem.
Soweit, so normal im Kunstbetrieb. Doch das anschließende Angebot hinterlässt einen faden Beigeschmack: Die Teilnahme an einer kuratierten?, digitalen Ausstellung. Das bedeutet konkret: Mein Werk
flimmert auf einem Fernseher irgendwo im Raum – und ich soll dafür bezahlen.
Wie systematisch dieses Geschäft mittlerweile läuft, zeigte sich nur kurz darauf: In meinem Social-Media-Feed tauchte eine bezahlte? Werbeanzeige genau dieser Galerie auf. Der Inhalt? Ein
gezielter Aufruf an Künstler, sich für eben diese Screen-Ausstellungen zu bewerben.
Spätestens hier drängt sich eine mathematische Ernüchterung auf. Gehen wir von den regulären Öffnungszeiten (Freitag bis Sonntag, jeweils 12 bis 23 Uhr) aus, läuft der Monitor pro Tag für 11
Stunden – das sind exakt 660 Minuten. Würde jedes Kunstwerk pro Tag nur ein einziges Mal für magere 5 Minuten gezeigt, müssten sich bereits
132 Künstler einen einzigen Bildschirm
teilen. Verbringt ein Besucher eine halbe Stunde in der Galerie, sieht er gerade einmal 6 dieser 132 Werke. Die Chance, überhaupt wahrgenommen zu werden, geht gegen null.
Was in der Corona-Zeit eine legitime Notlösung war, um überhaupt sichtbar zu bleiben, hat sich mittlerweile zu einer absoluten Geldmaschine entwickelt. Es fühlt sich oft nicht mehr nach
Wertschätzung für das Werk an, sondern nach der kommerziellen Ausbeutung von Künstlerträumen. Wenn virtuelle Ausstellungsfläche im Minutentakt teuer an hunderte Bewerber gleichzeitig verkauft
wird, stellt sich die Systemfrage: Sind Individualität, Eigensinn und das bewusste „Anders sein“ im Mainstream überhaupt noch gewollt? Oder ist das Risiko zu groß geworden?
Die Paradoxie der Wahrnehmung: Einzigartig, aber zu polarisierend?
Das Feedback von Besuchern auf meinen realen Ausstellungen spricht eine völlig andere Sprache. Worte wie „einzigartig“,
„besonders“ und
„das müssen viel mehr
Menschen sehen“ fallen regelmäßig. Meine Kunst bewegt, sie polarisiert – und genau da liegt anscheinend das Problem für viele etablierte Kuratoren. Wo das Publikum Tiefe und Reibung sucht,
scheuen Entscheider oft das Risiko und setzen lieber auf den gefälligen Mainstream.
Das wirft eine fundamentale Frage auf, die ich an Euch –, Kunstbegeisterte- einfach nur Mitleser und/oder Querdenker – weitergeben möchte:
Wie bricht man aus diesem System aus?
Abseits der klassischen Pfade wie Social Media, der eigenen Website oder den ewig gleichen, arbeitsintensiven Wettbewerben: Wie bringt man polarisierende, echte Kunst zu den Menschen, ohne bei
jeder einzelnen Gelegenheit tief in die eigene Tasche greifen zu müssen? Wie schaffen wir neue, unabhängige Räume für Kunst, die nicht dem Diktat der Gewinnmaximierung unterliegen?
Genug analysiert – Die nächste Runde läuft
Trotz aller Frustration: Resilienz bedeutet nicht, nicht zu fallen. Es bedeutet, schneller wieder aufzustehen. Jammern verändert keine Strukturen. Die nächste Ausschreibung wartet bereits auf
meinem Schreibtisch, und die Bewerbungsunterlagen schreiben sich bekanntlich nicht von alleine. Ich bleibe eigen, ich bleibe dran.
Jetzt seid Ihr gefragt: Wenn Ihr Ideen habt, alternative Ausstellungsformate kennt, Kooperationen sucht oder mich dabei unterstützen wollt, meine Kunst sichtbar zu machen – her mit Eurem Input in den Kommentaren oder per
Nachricht!

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NN (Mittwoch, 13 Mai 2026 18:04)
Toller Beitrag, aber schwere Frage :-)